Fahrzeugtechnik - Nutzfahrzeugtechnik (Lehrberuf) - Lehrzeit: 4 Jahre

Berufsbeschreibung

Die Ausbildung zum/zur Nutzfahrzeugtechniker*in erfolgt im Lehrberuf Fahrzeugtechnik im Schwerpunkt Nutzfahrzeugtechnik und dauert 4 Jahre. Die Ausbildung ist ab 1. Jänner 2027 möglich.

Fahrzeugtechniker*innen in der Nutzfahrzeugtechnik führen Wartungs- und Reparaturarbeiten an Nutzfahrzeugen wie LKWs, Bussen oder Sonderfahrzeugen, wie z. B. Tanklastwägen, Kranwägen oder Feuerwehrfahrzeugen durch. Sie warten und ersetzen mechanische Teile am Fahrwerk und Motor und ersetzten elektrische und elektronische Bauteile, wie Beleuchtungs-, Zünd- und Startanlagen, Fahrtenschreiber,  Bordcomputer und Alarmanlagen. Sie nehmen Einstellungen am Motor, an den Bremsen, an der Lenkung oder an der Lichtanlage vor und führen die gesetzlich vorgeschriebene Sicherheits- und Umweltüberprüfung ("Pickerlprüfung") durch. Bei ihrer Arbeit hantieren sie mit elektronischen Mess- und Prüfgeräten, aber auch mit Handwerkzeugen wie Schraubenzieher, Schraubenschlüssel, Feilen, Zangen usw. und mit Maschinen und Anlagen wie Hebebühnen.

Besondere Anforderungen in der Arbeit von Fahrzeugtechniker*innen gibt es in der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen mit Hybrid- und Elektroantrieben dar, die besondere Sicherheitsanforderungen stellen, sowie die zunehmende Automatisierung der Fahrzeuge durch digitale Steuerungen und Fahrassistenzsysteme.

Nutzfahrzeugtechniker*innen arbeiten in Kfz-Werkstätten, Verkehrsbetrieben und Fuhrparks von Unternehmen eigenständig und im Team mit Vorgesetzten und Berufskolleg*innen und haben Kontakt mit ihren Auftraggeber*innen und Kundinnen und Kunden. In Industriebetrieben arbeiten Nutzfahrzeugtechniker*innen auch bei der Herstellung von Nutzfahrzeugen mit.

Fahrzeugtechniker*innen in der Nutzfahrzeugtechnik kümmern sich um die Wartung, Reparatur und Instandhaltung von Nutzfahrzeugen. Dazu zählen unter anderem Lastkraftwagen, Sattelzüge, Tankfahrzeuge, Autobusse und andere Spezialfahrzeuge (z. B. Kranwägen, Feuerwehrfahrzeuge). Sie sorgen dafür, dass diese Fahrzeuge sicher, zuverlässig und einsatzbereit bleiben, da sie eine wichtige Rolle im Güter- und Personentransport spielen.

Im Rahmen von Reparatur- und Servicearbeiten suchen Nutzfahrzeugtechniker*innen systematisch nach Fehlern, Störungen und Defekten. Mittels mechanischer, elektrischer und elektronischer Diagnose- und Messgeräte überprüfen sie Motoren, Antriebe, Bremsanlagen, Fahrwerke sowie elektronische Steuerungs- und Sicherheitssysteme, identifizieren Ursachen von Schäden und Funktionsstörungen und dokumentierend die festgestellten Mängel, um sie anschließend fachgerecht zu beheben. Dabei arbeiten sie sowohl an herkömmlichen Dieselmotoren als auch an modernen Antriebssystemen wie Elektroantrieben oder Brennstoffzellen.

Nutzfahrzeugtechniker*innen warten und reparieren viele verschiedene Fahrzeugkomponenten. Sie prüfen Bauteile und Komponenten des Fahrwerkes wie Federung, Radaufhängung, Lenkung, Bremsen, Druckluftanlagen und Räder, aber auch Aufbauten wie z. B. Ladebordwände und Aggregate, Kippvorrichtungen, Kräne oder hydraulische und pneumatische Anlagen und natürlich Motoren, Getriebe und deren Bestandteile (Kolben, Kurbelwellen, Zylinderköpfe, Motorsteuerung, Einspritzanlage, Kraftstoffversorgung usw.). Sie montieren diese und führen Wartungsarbeiten daran durch. Außerdem kontrollieren sie Bremsen und die Beleuchtungsanlage (Scheinwerfer, Rücklicht, Armaturenbrettbeleuchtung), wechseln Filter und Betriebsstoffe wie Motoröl, Kühlmittel oder Bremsflüssigkeit. Sie wechseln Reifen, prüfen Reifendruckkontrollsysteme, wuchten Räder aus und unterstützen Maßnahmen zum Korrosionsschutz. Durch ihre Arbeit leisten Nutzfahrzeugtechniker*innen und Fahrzeugtechniker einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit, zur Zuverlässigkeit von Transportfahrzeugen und zum reibungslosen Ablauf im Personen- und Güterverkehr.
Am Abgasmessstand werden die Schadstoffwerte der Auspuffanlage gemessen und bei Überschreiten der gesetzlich vorgegebenen Toleranzgrenze die Ursachen ermittelt und behoben (z. B. defekter Katalysator oder Lambdasonde). Mit dem Motortester werden die Einstellungen des Motors kontrolliert und der Fehlerspeicher ausgelesen.

Nutzfahrzeugtechniker*innen führen außerdem den Ein- und Ausbau von EC-Kontrollgeräten und Geschwindigkeitsbegrenzern, Klimaanlagen, Freisprechanlagen, Navigationssysteme, Alarmanlagen, Einparkhilfen usw. durch. Sie warten die elektrischen und elektronischen Anlagen, Fahrassistenz- und Sicherheitssysteme und  Bordcomputer, und stellen diese ein.
Sie dokumentieren ihre Arbeiten in Wartungsprotokollen und beraten und informieren ihrer Kundinnen und Kunden über die Möglichkeiten und Funktionen der Fahrzeuge, deren sichere Handhabung und Wartung und über erforderliche Reparatur- und Servicearbeiten.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, dürfen Fahrzeugtechniker*innen im Umgang mit Hochvoltsystemen (HV-Systeme; insb. Elektromotoren) nur Arbeiten durchführen, die vom Hersteller des Fahrzeugs definiert sind. Dazu gehören z. B. nicht-elektrotechnische Arbeiten am Fahrzeug (beispielsweise Karosseriearbeiten, Öl-, Radwechsel, technische Fahrzeugprüfung), Arbeiten am konventionellen Bordnetz und Arbeiten am HV-System mit vorhergehender Spannungsfreischaltung sowie Messungen am HV-System, wenn der Berührungsschutz gewährleistet bleibt.

Fahrzeugtechniker*innen im Schwerpunkt Nutzfahrzeugtechnik hantieren mit Handwerkzeugen, wie z. B. Schraubenzieher und -schlüssel, Zangen, Hämmer, Messwerkzeuge,  Multimeter, Kerzenschlüssel sowie mit verschiedenen handgeführten und digital gesteuerten Maschinen und Vorrichtungen: Hebebühnen, Wagenheber, Wuchtmaschinen, Achsmessstand, Bremsprüfstand, Bohrmaschinen etc. Sie tragen Arbeitskleidung, festes Schuhwerk, Arbeitshandschuhe und Schutzbrillen. Immer wichtiger werden elektronische Diagnose-, Mess- und Prüfgeräte (z. B. Motortestgeräte, Fehlerspeicherauslesegeräte).

Bei ihrer Arbeit verwenden sie diverse Karosserieersatzteile aus Metall und Kunststoff, die sie manuell und maschinell bearbeiten und lösbare und unlösbare Verbindungen herstellen, wenn sie z. B. Ersatzteile herstellen oder Neuteile montieren. Sie verwenden weiteres unterschiedlichste Hilfsmaterialien wie Kühlmittel, Lötmittel, Schmiermittel, Isoliermaterial, Batteriesäure, destilliertes Wasser, Bremsflüssigkeit, Gefrierschutzmittel und Ersatzteile, wie z. B. Starterbatterien, Generatoren, Starterersatzteile, Zündkerzen, Glühbirnen und Dichtungsringe, Kabel und Schrauben.

Die Grundlage für die Arbeit von Fahrzeugtechniker*innen bildet eine Reihe technischer Unterlagen (z. B. Werkstattinformationssysteme, Zeichnungen, Normen, Bedienungsanleitungen, Pläne, Schaltpläne), aus denen sie benötigte Informationen entnehmen. Bei Bedarf erstellen sie auch selbst Skizzen und einfache Zeichnungen per Hand oder computerunterstützt. Sie führen Betriebsbücher, Wartungsprotokolle, Material-, Lager- und Stücklisten.

Fahrzeugtechniker*innen in der Nutzfahrzeugtechnik arbeiten in Werkstätten und Hallen von Kfz-Betrieben, aber auch in der Kraftfahrzeugindustrie und in verschiedensten Unternehmen mit eigenem großem Fuhrpark (z. B. Logistikunternehmen, Bundesheer) sowie bei Verkehrsbetrieben. Je nach Auftrag und Umfang arbeiten sie eigenständig oder im Team mit Berufskolleg*innen und anderen Fachkräften zusammen. Zu ihren Berufskolleg*innen gehören vor allem Fahrzeugtechniker*innen mit unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkt (siehe insbesondere Fahrzeugtechnik - Karosserietechnik (Lehrberuf)#), Lackierer*innen (siehe Lackiertechnik (Lehrberuf)) und Berufskraftfahrer*innen (siehe Berufskraftfahrer*in und Berufskraftfahrer*in (Lehrberuf)). In Werkstätten haben Nutzfahrzeugtechniker*innen häufig auch unmittelbaren Kontakt zu ihren Kundinnen und Kunden.

Nutzfahrzeugtechniker*innen arbeiten zu geregelten Arbeitszeiten während der Öffnungszeiten von Reparaturwerkstätten und Servicebetrieben. Fahrzeugtechniker*innen, die für Notfalldienste tätig sind, arbeiten in Schichten auch im Nacht- und Wochenenddienst. Auch in der Industrie arbeiten sie im Schichtdienst.

  • technische Unterlagen lesen und verwenden
  • Schäden am Nutzfahrzeug durch Überprüfen der wichtigsten Teile und Komponenten (Fahrgestell, Motor, Karosserie) mit Hilfe mechanischer, elektrischer und elektronischer Mess- und Prüfverfahren feststellen, Fehlerdiagnosen durchführen
  • Materialien, Ersatzteile, Werkzeuge und Hilfsmittel auswählen und beschaffen
  • Bauteile des Fahrwerkes (z. B. Radaufhängung, Lenkung, Bremsen, Räder) prüfen, ausbauen, montieren und warten
  • Reparaturarbeiten an mechanischen, elektromechanischen und elektrischen Teilen des Fahrzeuges durchführen
  • Teile, die einer starken Beanspruchung ausgesetzt sind (z. B. Zündkerzen, Luftfilter) austauschen
  • Werkstoffe wie Metallteile, Bleche und Kunststoffteile bearbeiten: Messen, Feilen, Sägen, Bohren, Senken, Reiben, Gewindeschneiden, Schweißen, Schleifen und Trennschleifen
  • elektrische und elektronische Einrichtungen wie z. B. Heiz- und Klimaanlagen, Entertainment-Center, Navigationssysteme, Freisprechanlagen und Alarmanlagen, EC-Kontrollgeräte, Geschwindigkeitsbegrenzer/Tempomaten einbauen, warten und reparieren
  • regelmäßige Servicearbeiten wie "Pickerlprüfung" durchführen: Motor, Bremsen, Lichtanlagen, Abgaswerte etc. an entsprechenden Prüfständen und mit verschiedenen Messgeräten kontrollieren, Ergebnisse dokumentieren
  • Prüf-, Service- und Reparaturarbeiten an Alternativantrieben und Hochvoltsystemen (HV-Systemen) gemäß den Definitionen der Hersteller durchführen (z. B. an Elektromotoren, Hybridantriebe, Brennstoffzellenantrieben und damit verbundenen Systemen)
  • Kühl- und Schmiermittel und andere Flüssigkeiten prüfen und tauschen
  • Kundinnen und Kunden über die Handhabung und Wartung der Fahrzeuge beraten und informieren
  • Arbeitsprotokolle, Wartungs- und Serviceprotokolle, Kundenkarteien führen

Beschäftigungsmöglichkeiten für Fahrzeugtechniker*innen im Schwerpunkt Nutzfahrzeugtechnik bieten insbesondere:

  • gewerbliche Kraftfahrzeugwerkstätten
  • Unternehmen der Kraftfahrzeugindustrie
  • Fuhrparks öffentlicher Einrichtungen und Verkehrsbetriebe
  • Unternehmen mit eigenem Fuhrpark (insb. Transportunternehmen und andere Logistikbetriebe)
  • das Österreichische Bundesheer

Der Beruf Fahrzeugtechnik - Nutzfahrzeugtechnik ermöglicht mit entsprechender Berufserfahrung und Weiterbildung beispielsweise die Spezialisierung auf:

  • bestimmte Nutzfahrzeugtypen oder -marken (z. B. LKW, Busse)
  • Fahrzeugmechatronik, Fahrzeugelektronik
  • alternative Antriebssysteme (Elektro- und Hybridantriebe, Brennstoffzellen)
  • Mess- und Sensortechnik
  • Transport- und Anhängervorrichtungen
  • Sicherheits- und Umweltüberprüfung ("Pickerlprüfung")

Spezialisierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten (Auswahl):

Hier finden Sie ein paar Begriffe, die Ihnen in diesem Beruf und in der Ausbildung immer wieder begegnen werden:

 ABS Elektromotor ESP Frontantrieb Hybridelektrokraftfahrzeug Intelligente Systeme Pneumatik

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